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Über die Krise hinaus: die Rolle der ESMT Berlin bei der Schaffung einer besseren Zukunft

Die Coronavirus-Pandemie führt uns den schier endlosen Bedarf an akademischem Fachwissen und wissenschaftlichen Analysen vor Augen. Experten jonglieren täglich mit Zahlen und erklären der Öffentlichkeit, die anscheinend nicht genug bekommen kann, exponentielles Wachstum. Die Krise unterstreicht auch die Bedeutung starker und verantwortungsvoller Führungskräfte. Sie manövrieren Organisationen und ganze Länder durch diese Herausforderungen. Die ständig wachsende Bedeutung digitaler Lösungen und Innovationen hat sich während der Krise weiter beschleunigt und ist noch deutlicher geworden. Unternehmen, Schulen und Universitäten mussten mit wenig oder gar keiner Vorwarnung „digital“ werden. Diejenigen, die bereits über Fachwissen, Erfahrung und entsprechende Verfahren verfügten, hatten einen klaren Vorteil.

Während Regierungen Ausstiegsstrategien planen, diskutieren und umsetzen, führen Business Schools ihre Forschung und Lehre in einem völlig veränderten Umfeld fort. Vorausschauende Institutionen sollten sich jetzt strategisch positionieren, um gestärkt aus der Corona-Krise hervorzugehen. Genau das tun wir an der ESMT Berlin. Wir haben uns unter dem Schirm der Solidarität zusammengeschlossen, um alle Bereiche unserer Organisation zu durchleuchten. So können wir unser akademisches Know-how auf die in der Zukunft wichtigsten Bereiche konzentrieren. Die drei Säulen Leadership, Innovation und Analytics, auf denen unsere akademische und organisatorische Entwicklung seit Jahren beruht, –– liefern uns die Grundlage, um nicht nur die akuten Herausforderungen der Krise zu bewältigen, sondern auch, um in Zukunft erfolgreich zu sein.

Verantwortungsvolle Führung steht seit der Gründung der ESMT im Jahr 2002 im Mittelpunkt all unserer Aktivitäten. Als europäische Business School sind die soziale Marktwirtschaft und der Stakeholder-Value-Ansatz Teil unserer DNA. In unserer noch jungen Geschichte haben wir uns mit höchster Priorität unserer Mission der Entwicklung verantwortungsbewusster Führungskräfte verschrieben. Lange bevor „erfahrungsbasiertes Lernen“ in die Lehrpläne der Top-Business-Schools aufgenommen wurde, schickten wir unsere Studierenden in die ganze Welt. So können sie ihre Fähigkeiten in sozialen Projekten wie dem Social Impact Project oder als Responsible Leaders Fellow anwenden und der Gesellschaft etwas zurückzugeben.

Im Einklang mit dem Auftrag unserer Schule vereint das Center for Sustainable Business and Leadership die drei Bereiche nachhaltiges Wirtschaften, Führung sowie Wirtschaft und Gesellschaft. Im Zentrum stehen der Sustainable Business Roundtable sowie der Ingrid and Manfred Gentz Chair in Business and Society. Der Roundtable ist ein Peer-to-Peer-Lernnetzwerk für internationale Unternehmen, die an der Spitze der Nachhaltigkeitsrevolution stehen. An dem Lehrstuhl, der von Prof. Gianluca Carnabuci geleitet wird, werden anwendbare wissenschaftliche Erkenntnisse entwickelt, die Führungskräften helfen, kompetent und verantwortungsbewusst zu handeln. Stifter Manfred Gentz beschreibt im Jahr 2019 den Beitrag des Lehrstuhls folgendermaßen – seine Worte sind angesichts der aktuellen Krise hoch relevant: „Führungskräfte brauchen einen wertebasierten Kompass für ihre Entscheidungen. Dies gilt umso mehr in unserer zunehmend wissensbasierten, vernetzten und innovationsgetriebenen Gesellschaft.“

Nicht nur Unternehmensleiter, sondern auch Fachleute aus dem Gesundheitswesen müssen große Führungsstärke beweisen. An der ESMT umfasst unsere akademische Forschung und Kompetenz die Führung und Entscheidungsfindung in der Gesundheitsbranche. Wir bieten bereits Führungskräftetraining für junge Ärzte aus Schwellenländern an und planen, diesen Schwerpunkt mit einer Akademie für Führungskräfte im medizinischen Sektor zu erweitern. ESMT Alumna Dr. Kate Gaynor, Geschäftsführerin des United Family Healthcare Hospital in Guangzhou, China, sagte, dass sie sich aufgrund ihrer Zeit an der ESMT „als Geschäftsführerin kompetenter und selbstbewusster fühlt“.

Die Coronavirus-Pandemie hat gezeigt, dass ein enormer Bedarf an Innovation besteht, und zwar auf einer nutzerorientierten und globalen EbeneViele Geschäftsmodelle und sogar Branchen geraten ins Wanken. Die ESMT steht an der Spitze der Innovationsforschung und -lehre mit den Themenschwerpunkten Open Innovation, Citizen Science und Crowdsourcing. Prof. Henry Sauermann untersucht zum Beispiel individuelle, teambasierte und institutionelle Aspekte von Innovation und Unternehmertum. Er analysiert, wie der Innovationsprozess innerhalb von Teams, Unternehmen und Branchen organisiert werden kann. Prof. Gianluca Carnabuci untersucht etwa, warum einige Personen innovativer sind als andere, und Prof. Linus Dahlander beschäftigt sich mit der Frage, wie man innerhalb und außerhalb von Unternehmen neue Ideen findet. Innovationen in den Lieferketten werden ebenfalls von entscheidender Bedeutung sein. Die Identifizierung potenzieller Störungen und die Entwicklung fortschrittlicher Notfallpläne und Schadensbegrenzungsstrategien werden in Zukunft noch wichtiger werden. Prof. Tamer Boyaci befasst sich in seiner Forschung zum Risikomanagement in Lieferketten detailliert mit diesen Herausforderungen.

Die aktuelle Pandemie hat deutlich gemacht, wie entscheidend Analysen sind und in Zukunft sein werden. Wir haben diesen Trend frühzeitig erkannt und unseren Master in Management entsprechend entwickelt. Seit seiner Einführung im Jahr 2014 legt der Studiengang einen Schwerpunkt auf Datenanalyse. Die ESMT-Professoren befassen sich mit Big Data in den Bereichen Wirtschaft, Organisationsverhalten und Entscheidungsfindung. Das Center for Financial Reporting and Auditing und sein akademischer Leiter Prof. Per Olsson setzen Algorithmen ein, um zum Beispiel die Finanzberichterstattung zu verbessern. Am Schnittpunkt von Führung und Datenanalyse hat Prof. Francis de Véricourt das Verhalten der Weltgesundheitsorganisation WHO untersucht. Er analysierte die Organisation in Bezug auf globale Pandemien und Reputationskompromisse sowie die Anwendung datengesteuerter Modelle und Methoden für die Entscheidungsfindung von Führungskräften. Nicht nur in der Corona-Krise, sondern auch bei demokratischen Wahlen auf der ganzen Welt haben wir gesehen, wie wichtig die Rolle der digitalen Plattformen bei der Verbreitung falscher Informationen ist. Prof. Özlem Bedre-Defolie erhielt kürzlich eine prestigeträchtige Förderung des European Research Council von 1,5 Millionen Euro. Sie untersucht digitale Märkte und die Dynamiken von Plattformen.

Aufbauend auf unserem starken Profil in den Bereichen Leadership, Innovation und Analytics ist die ESMT in der Lage, aus der Corona-Krise als ein bedeutender Akteur in der europäischen und internationalen Managementbildung hervorzugehen. Nachdem wir frühzeitig Kompetenzen in diesen drei Bereichen aufgebaut haben, können wir das erforderliche Fachwissen demonstrieren und in Zukunft weiter ausbauen.

Wir haben die Bedeutung der Digitalisierung in der Bildung und der Gesellschaft als Ganzes erkannt, lange bevor das Coronavirus den Präsenzunterricht unmöglich machte. Wir haben 2016 das Digital Society Institute gegründet. Dieser führende Think-Tank für Fragen der Cybersicherheit berät Unternehmen, Regierungen und die NATO. Im Jahr 2019 haben wir stark in digitales Lernen investiert. Diese Investition hat uns zusammen mit unserer Erfahrung als Teil der Future of Management Education Alliance hat einen enormen Vorteil verschafft. Wir haben erfolgreich einen MBA im Blended-Learning-Format für die Deutsche Telekom entwickelt und durchgeführt. Zudem haben wir den ESMT Part-time MBA in Business Innovation ins Leben gerufen, der ebenfalls im Blended-Format angeboten wird. Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG, sagt: „Digitalisierung und agile Transformation sind der Schlüssel für den zukünftigen Erfolg großer Organisationen. Um eine neue Generation von Führungskräften mit den erforderlichen Fähigkeiten zu entwickeln und die Leistungsträger an unser Unternehmen zu binden, haben wir uns entschieden, eine maßgeschneiderte akademische Lösung mit einem anerkannten Abschluss anzubieten. Die ESMT überzeugte uns mit ihrem Programmdesign, ihren hervorragenden Lehrkräften, ihrer digitalen Plattform und ihrem Preis".

Wir werden unsere akademische Kompetenz in den drei Säulen Leadership, Innovation und Analytics durch die Besetzung des Joachim Faber Chair in Business and Technology und des Volkswagen and Audi Chair for Diversity in Leadership weiter ausbauen. Mit großer Weitsicht spendeten die Stifter dieser Lehrstühle Mittel für Forschung und Lehre, um wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen und die Führungsvielfalt in Organisationen voranzubringen. Denn in der aktuellen Krise sind gerade viele weibliche Führungskräfte gezwungen, sich in viel stärkerem Maße als ihre männlichen Kollegen auf Betreuungsaufgaben zu konzentrieren. Das zeigt einmal mehr den harten Kampf um Geschlechterparität in Führungspositionen und die Relevanz von Diversität in der Führung. „In einer Zeit, in der sich Gesellschaft und Wirtschaft in einem tiefgreifenden Wandel befinden, ist Vielfalt zentral, um bessere Entscheidungen zu treffen und agiler, innovativer und damit nachhaltiger zu werden“, sagt Hiltrud D. Werner, Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG und verantwortlich für den Bereich Integrität und Recht. „Als eine der führenden Business Schools in Europa ist die ESMT perfekt für diesen Lehrstuhl geeignet, um die Diversität in der Managementausbildung entscheidend voranzubringen.“

Ausblick

Auch wir haben keine Kristallkugel, aber wir bereiten uns auf die Rolle der Business Schools und der ESMT nach der Krise vor. Wir glauben, dass sachliche Kommunikation und eine hohe interne und externe Transparenz weiterhin eine große Rolle in der Führung spielen werden, ebenso wie die Entscheidungsfindung unter Zeitdruck. Die Rolle der Wirtschaft sowie die tatsächlichen und vermeintlichen Kompromisse zwischen sozialen und wirtschaftlichen Zielen müssen ebenso angesprochen werden wie die Anpassung erfolgreicher Geschäftsmodelle, um positive soziale Auswirkungen zu erhöhen.

Darüber hinaus wird die Forschung zu den Auswirkungen einer möglichen „De-Globalisierung“, wie z.B. die Tendenz, die Produktion wieder in die reicheren Länder des Westens zu verlagern, von wesentlicher Bedeutung sein. Dazu gehören auch die grenzüberschreitende Ausbreitung von Pandemien und die vernachlässigten wirtschaftlichen Kosten der Globalisierung. Datenkompetenz und Analysefähigkeiten werden in Zukunft noch wichtiger sein, insbesondere in den Bereichen Visualisierung, Vorhersage und datengestützte Entscheidungsfindung.

Noch mitten in der Pandemie definieren wir an der ESMT bereits unsere Zukunftsstrategie. Sie fundiert nicht auf einem Bauchgefühl, sondern auf Fachwissen, das wir seit Jahren aufgebaut haben.

 

Aktualisiert am 28. Mai 2020

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